Plötzlich ist da innerer Raum!
Plötzlich ist da innerer Raum!

Plötzlich ist da innerer Raum!

Wie können eigentlich Reaktionen und – besonders wichtig: unwillkürliche Veränderungen zum Positiven! – im Alltag durch Brainspotting aussehen? Hier darf ich einmal mehr ein wunderbares Beispiel erleben und weitergeben 😊
Aktuell arbeite ich mit einer jungen Mutter. Ihr Ziel zu Beginn unserer Zusammenarbeit war es, dass die Vergangenheit nicht länger ihre Gegenwart belastet.

Lassen Sie mich ein bisschen weiter ausholen:
Anfangs erzählte sie von ihrem heute grundsätzlich glücklichen Leben mit ihrer kleinen Familie. Jedoch war sie zuvor aus einer toxischen Beziehung geradezu in diese Lebenssituation hineingerauscht, und erst jetzt (ein paar Jahre später) merke sie, dass aus der früheren Zeit noch einiges zu verarbeiten sei.
Mein Klientin wollte mit Brainspotting arbeiten, und so ist diese Technik unsere Hauptstrategie.

Von Themenfeld zu Themenfeld – ganz natürlich

In den Terminen wandern wir langsam von Themenfeld zu Themenfeld: erst war es der konkrete Übergang von der alten Verbindung in die neue.
Ihre Scheidung war unter Hochdruck verlaufen, sonst hätte der leibliche Vater sein eigenes Kind adoptieren müssen; und unter der Geburt gab es Komplikationen, die ebenfalls eines Blickes bedurften. Während wir die Übergangssituation noch konret anvisiert hatten, zeigte sich die Belastung unter der Geburt von allein.
Als Nachwirkung davon erzählte sie beim nächsten Termin, dass am nächsten Tag plötzlich ein heftiger Schmerz im Kopf-Schulter-Bereich aufgetreten sei und eine Migräne, was sie sonst überhaupt nicht kenne. Er verging nach einigen Stunden ohne bewusste Einwirkung.

Wieder arbeiteten wir mit Brainspotting. Ohne dass wir es aktiv anvisiert hätten, zeigte sich in dieser Sitzung eine Situation aus der Vorher-Beziehung, die sie stark geängstigt hatte! Und die Angst bewirkte – ein Hochziehen der Schultern, ein (schützendes) „Kopfeinziehen“.
Diesmal verspürte sie nach der Sitzung eine starke Müdigkeit.

Dann kam ihre Schulzeit auf den Tisch. Hier: Belastung, Ausgrenzung, fehlenden elterliche Unterstützung. Ich habe nichts davon erfragt. Es zeigte sich ganz von allein.
Wieder war sie nach der Sitzung sehr erschöpft. Das passiert häufig, weil der Körper und das Nervensystem sich nach einem überstandenen Stress, einer überstandenen Herausforderung erholen müssen.

Nach einem unerwarteten Deep-Dive: plötzlich neue Freiheiten

Und noch ein schlimmes Erlebnis aus dem Elternhaus kam hoch, in dem sie keinen Schutz erlebt hatte. Ich hatte schon leise Sorge, wie es ihr wohl ergangen war, nach dieser Stunde!

Doch dann berichtete sie beim nächsten Mal – selbst ganz erstaunt! – dass diese Bearbeitung keine Nachwirkungen gehabt hätte. Wobei das so nicht ganz richtig war, denn Auswirkungen hatte sie sehr wohl gehabt! Nur – andere. Diesmal: eindeutig positive!

Meine Klientin erzählte von gleich drei unterschiedlichen Situationen, in denen sie plötzlich gelassen und entspannt reagiert hatte – auf eine Art, die ihr vorher nie in den Sinn gekommen war:
Plötzlich konnte sie ihrem Kind Freiräume gewähren, die ihre früher nicht möglich waren!
Einmal in der Kita, als es weiterspielen wollte, während der Heimweg bevorstand. Es gab keinen Zeitdruck – aber den hatte sie sonst eher nicht, trotzdem hatte sie bisher immer Zeitdruck gefühlt!

Dann Zuhause, wo die Routine besagte, dass jetzt „Feierabend“ sei und das Spielen auf der Straße ein Ende hätte. Auch hier gäbe es sonst keinen wirklichen Grund, außer dem inneren „es hat so zu sein“. Plötzlich konnte sie ihr Kind länger spielen lassen – und erntete ein entspannteres Miteinander hinterher.

Und schließlich wurde sie bei ihrem Start in den Tag unterbrochen, und auch hier war es auf einmal kein Problem. Dabei war die Zeit dafür seit jeher da gewesen – nur hatte sie bisher jede Unterbrechung trotzdem enorm unter inneren Stress gesetzt.

„Ich erkenne mich selbst nicht wieder“, erzählte sie lächelnd und sichtlich zufrieden.
Nichts davon hatten wir angesprochen. Nichts davon hatte sie geübt. „Ich bin bisher überhaupt nicht auf die Idee gekommen!“, sagte sie stattdessen. „Es hatte einfach so zu sein.“

Es waren gleich drei Situationen, in denen es nicht mehr aus Prinzip sein musste, wie es „immer“ gewesen war. Schon früher waren ihr die Gründen dafür nicht ganz klar gewesen – jetzt durfte alles einfach so sein, wie die aktuellen Bedürfnisse es vermittelten und die Zeit hergab. Für ihr Kind. Und für sie. Und einfach nur der Situation angemessen.

Abschließend möchte ich noch etwas klarstellen: Natürlich laufen nicht alle guten Entwicklungen darauf hinaus, dass ein Verhalten „netter“ und/oder „chilliger“ wird. Manchmal bedeutet eine gesunde Entwicklung, sich klarer oder schneller abzugrenzen. Sich vielleicht sogar schneller erschöpft oder überfordert zu fühlen (weil es einfach zu viel ist!), oder (schneller) „Nein“ zu sagen, wenn jemand oder etwas ein „Nein“ braucht; nicht länger zu akzeptieren, was noch nie (wirklich) akzeptabel war und anderes mehr!

Meine Erfahrung mit den Ergebnissen durch Brainspotting oder auch andere Methoden der Selbstannahme ist die: Wenn die Veränderung eintritt, bedarf sie zuvor keiner Übung! Sie geschieht einfach. Wie ein Wachstumsschub. Vielleicht muss man sich daran gewöhnen und neu orientieren – aber die Veränderung tritt einfach ein. Wenn das Vergangene endlich abgehakt ist – dann ist die Offenheit für das Hier und Jetzt einfach da.

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