Keine Lust auf Emotionen? 3 unbequeme Konsequenzen
Keine Lust auf Emotionen? 3 unbequeme Konsequenzen

Keine Lust auf Emotionen? 3 unbequeme Konsequenzen

Das Leben ist komplex. Und anstrengend. Und wird irgendwie immer mehr davon. Hier zeige ich drei Konsequenzen auf, die oft unterschätzt werden, wenn Menschen sich auf den Verstand verlassen wollen und am liebsten ihre Emotionen ignorieren.

1. Das Leben wird anstrengend

„Fake it, until you make it“ ist eine oft zitierte Strategie, wie man sich selbst manipulieren könne, um gewünschte Verhaltensweisen zu entwickeln.
Sie hat durchaus ihre Berechtigung.
Doch gegen „hartnäckige“ Emotionen und Empfindungen in immergleichen bzw. ähnlichen Situationen sollte sie nicht dauerhaft eingesetzt werden!

Auf einen Nenner gebracht, sind Emotionen interpretierte Handlungsenergie.
Du empfindest Herzklopfen? Die Aufgabe von Herzklopfen ist es, dass unser Blut schneller durch unsere Adern fließt, und so alle wichtigen Bereiche mit mehr Sauerstoff und Energie versorgt.
Das brauchen wir zum Beispiel, um jemanden liebevoll in die Arme zu nehmen (Freude/Liebe); oder um ein anderes Mal mit lauter Stimme Grenzen aufzuzeigen (Wut). Oder auch, um „die Beine in die Hand zu nehmen“ und wie der Teufel davonzurennen (Angst).

Also: Emotionen und Gefühle bestehen aus einem pur spürbaren Ergebnis eben jener Handlungsenergie – und einer Richtung (Impuls). Die wir bewerten.

Was jedoch häufig passiert, ist, dass wir einerseits genau DIESE Energie unterdrücken, und andererseits so tun, als wäre eine andere Energie in uns aktiv. Somit haben wir eine ECHTE Emotion und eine, die wir PRODUZIEREN müssen.

Die echte Emotion wird „automatisch“ lebendig. Doch wir versuchen, sie zu kontrollieren und am Wirken zu hindern. Das braucht Kraft und ist anstrengend!
Zusätzlich wir tun so, als wäre da eine Energie in eine andere Richtung – die in Wahrheit NICHT da ist. Also müssen wir sie produzieren: aktiv. Auch das braucht Kraft und ist anstrengend.
In beiden Fällen haben wir nicht unsere volle Kraft für das, was wir tun wollen – denn ein Teil unserer Kraft ist ja damit befasst, die Energie, die nicht da sein darf, festzuhalten. Je häufiger wir diesen Zustand haben, bei verschiedenen Themen oder anhaltend bei einem immer wiederkehrenden – umso erschöpfter werden wir.

2. Entscheidungen fallen schwer

Unser Kopf ist dafür gemacht, alles was passiert, zu bewerten und einzuordnen. Alles. Somit hat unser Kopf zu allem „eine Meinung“ und Argumente. Wer sich nun (tatsächlich) allein auf seinen Kopf verlässt, wenn es um Entscheidungen geht, hat ein Problem: Denn jede Entscheidung hat ihr für und wider, pro und contra. Und jede Variante könnte richtig oder falsch sein, denn überzeugende logische Argumentationen sind nur eine Frage der Perspektive.

Entscheidungen hingegen sind eine Frage des Standpunktes.
Und Standpunkte haben viel mit Emotionen zu tun: Das schlechte Gefühl im Bauch; der Fluchtimpuls; die Bereitschaft, zu kämpfen; die Lust, etwas anzugehen; die Gelassenheit, abzuwarten, und so weiter, und so fort.

Wenn wir also nicht in Kontakt sind mit unserem Fluchtimpuls/ der Kampfbereitschaft/ der Freude/ der Gelassenheit, sitzen wir in der Klemme. Denn tatsächlich sind Emotionen (auch wenn wir sie nicht haben wollen, und versuchen, sie zu ignorieren) stärker: sie sind voller lebendiger Energie – während wir uns mühsam auf die Seite der Logik-Argumente schlagen müssen.

Und schwups – können wir uns nicht entscheiden: Das, was wir wollen, dürfen wir nicht, (vielleicht nicht einmal wahrnehmen); und das, was wir sollen, wollen wir nicht wirklich.

3. Der innere Alarm hört einfach nicht auf.

„Eine unbeachtete Emotion ist wie ein läutender Wecker – er hört einfach nicht auf, zu klingeln“, sagte der niederländischen Psychiaters und Traumatherapeuten Bessel van der Kolk in einem Seminar.
Weiter berichtete er darüber, dass emotionale Hirnareale kurz(!) aktiv werden, wenn wir Gefühle bewusst fühlen – und dann die Erregung nachlässt. Das hatten Wissenschaftler bei computergestützten Untersuchungen erkennen können.

Es sei, sagte er, als würde das Gehirn mitteilen: „Botschaft angekommen. Auftrag erledigt.“

Welcher Auftrag? Der Auftrag der Rezeptoren, der „Merk-was-Stellen“ in unserem Körper, die über die Reizweiterleitung der Nerven das Gehirn wissen lassen: „Schau her – hier ist etwas beachtenswertes los.“

Wie intensiv wir hinschauen müssen – ob kurz, wie bei einem einfachen Weckerklingeln, für das ein leichter Klaps auf den Ausschalter reicht, oder ob mehrere Geräte im Raum verteilt sind, die nacheinander losgehen und ausgeschaltet (beachtet) werden müssen – da gibt es natürlich Unterschiede.
Ganz klar aber ist: wenn wir nicht hinschauen und uns nicht darum kümmern – bimmelt jeder Wecker unaufhörlich weiter. Sogar, wenn wir ihn in den Keller stellen. 😉

Du möchtest dich gern etwas zuwenden, was in dir lärmt oder dich blockiert, während es längst unhörbar geworden ist?

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